Veganz-Koch Konstantin Elser im Interview

Blog, People | 30. Juni 2016 | Von Anna-Sophia Bauer

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Kennt ihr schon unseren Veganz Koch Konstantin Elser? Vor einem Jahr haben wir DEN neuen Vegan(z) Koch unter euch gesucht und mit Konstatin gefunden. Unser Konsti überzeugte uns nicht nur durch sein Können am Herd, sondern auch durch seine sympathische Ausstrahlung. Seit diesem Jahr ist er fester Bestandteil unseres YouTube-Channels. Ein Grund mehr sich den Veganeagle etwas genauer anzuschauen.

Warum und wann wurdest du Veganer?
Durch einen persönlichen Schicksalsschlag. Im Alter von 30 Jahren erlitt ich einen Schlaganfall. Im Zuge dessen entschied ich mich, mein Leben komplett auf den Kopf zu stellen. Ich nahm knapp 50 Kilogramm Körpergewicht ab, fing an Sport zu treiben, trank kaum noch Alkohol und wollte dem Cholesterin in meiner Nahrung den Kampf ansagen. Da die vegane Ernährung tierische Fette komplett ausschließt und man trotzdem weiterhin bunt, kreativ und sehr schmackhaft kochen kann, entschied ich mich dazu, von dort an nur noch vegan zu essen.

Wozu braucht die Welt eigentlich Veganer?
Eines steht fest; Wenn die Menschheit in der gleichen Geschwindigkeit wie in den letzten hundert Jahren wächst und alle Menschen sich genauso ernähren, wie es der Großteil der Überflussgesellschaft jetzt macht, werden die natürlichen Ressourcen unserer Erde nicht mehr lange für uns alle reichen. Dieses Szenario scheint für viele Menschen in weiter Ferne zu liegen, ist aber näher als die meisten glauben. Die ersten Völkerwanderungen und Konflikte aufgrund von Dürre und Nahrungsknappheit sind bereits im Gange. Die vegane Ernährung und Lebensweise ist in vielen Punkten schonender als die Konventionelle. Daher hilft jeder weitere Veganer alleine mit seinem Konsum, die Rohstoffe unseres Planten etwas mehr zu schonen.

Was würdest du Menschen raten, die auf eine vegetarische bzw. vegane Ernährung umstellen möchten?
Die ganze Sache langsam und nicht zu verbissen anzugehen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und man sollte stets so genau sein, wie es momentan geht. Die Erfahrung kommt Tag für Tag und irgendwann fallen die alten Gewohnheiten einfach weg. Nach einer Weile merkt man dann, wie einfach es ist, rein pflanzlich zu leben und fragt sich, warum man nicht viel früher damit angefangen hat. Ein bisschen kochen zu lernen schadet auch nicht. Denn gerade am Anfang ist der Freundes- und Familienkreis vielleicht etwas unbeholfen, etwas Veganes mit zu kochen. Da hilft es, wenn man ganz leckeres Essen mit im Gepäck hat, welches der Rest der Runde vielleicht probiert und dann merkt, wie köstlich es sein kann, vegan zu essen. Guter Geschmack überzeugt, nicht der erhobene Zeigefinger.

Konsti2Was war das Beste, was du jemals gegrillt hast?
Wenn man seit so vielen Jahren in der ganzen Welt gekocht und gegrillt hat, ist es schwer zu sagen, was wirklich das „Beste“ war. Da wir aber gerade in der Grillsaison sind, fallen mir die feldfrischen, extra süßen Ananas in Thailand ein, die ich über offenem Feuer am Strand zubereitet habe. Diese wurden dann mit einer Würzmischung aus roter Chilischote, Meersalz und Rohrzucker bestreut und warm gegessen. Eine echte Geschmacksexplosion.

Und was war das Schlechteste, was du jemals gekocht / gegrillt hast?
Puh. Gute Frage. Als Koch probiere ich sehr viel aus, was der vegane Markt zu bieten hat. Da landet auch mal das ein oder andere unausgereifte Produkt in meinen Pfannen und Töpfen. Es wäre jetzt gemein zu petzten, also sage ich es mal so… Es sollte laut Verpackung etwas imitieren, was aus dem Meer stammt. Der Geschmack und die Konsistenz erinnerten mich eher an einen Radiergummi.

Nicht immer hat man viel Zeit zum Kochen. Was ist dein Lieblingsrezept, wenn es mal schnell gehen muss?
Klingt simpel, aber wenn ich mal keine Lust und Zeit habe, den Herd zuhause anzuwerfen, dann habe ich eigentlich immer alles für eine echte und nahrhafte Guacamole in der Gemüseschale. Knusprige Nachos habe ich auch immer im Vorratsschrank.

Gesund essen geht nicht immer und manchmal möchte man das auch gar nicht. Wenn du Lust hast zu sündigen, welche Kalorienbombe zauberst du dann?
Vorsicht Augen zu, wenn’s am nächsten Morgen auf die Waage geht. Ich bin ein echtes Süß-Maul und wenn ich es richtig übertreibe, gibt es einen cremigen Kokosmilchreis mit geschmolzener Schokolade. Hier geht’s zum Rezept

Konsti3Was ist dein veganes Lieblingsprodukt?
Eiscreme in jeglicher Art und Weise. Ich persönlich mag die ganz besonders cremigen Sorten und nicht fruchtige Sorbets. Glücklicherweise kommen in den letzten Monate viele neue vegane Eiscremesorten auf den Markt, also ist für Abwechslung gesorgt.

Was darf in deiner Küche auf keinen Fall fehlen?
Ganz klar: Leicht gesalzenes Erdnussmuss mit Stückchen. Bei Heißhunger Attacken einfach ein „Must Have“!

Wenn du ein Küchenutensil sein dürftest, welches wäre das und warum?
Ein Schneebesen. Immer schön locker bleiben.

Was ist dein persönlicher Food-Trend 2017?
Da gibt es gleich fünf an der Zahl: Palmölfreie Produkte (Der Regenwald wächst nicht nach!), RAW-Vegan Rezepte (Essen ohne zu kochen), Kokosblütenzucker (Einmalig natürliches Karamell Aroma), Weizengras Pulver (The New Matcha), Kalifornische Küche (Nirgendwo sonst wird mit einer solchen Leichtigkeit Crossover Küche betrieben)

Welche Aufgabe in der Küche überlässt du am liebsten anderen? Und was machst du am liebsten?
Da bin ich wie jeder andere Koch. Zwiebeln schälen ist nicht gerade die Aufgabe, die ich freiwillig übernehme. Beim Spargel schälen lässt sich allerdings ein entspanntes Gespräch nebenbei halten. Eine angenehme Arbeit, finde ich.

Du reist gerne und berichtest auch regelmäßig von deinen kulinarischen Touren. Was ist dein Lieblings-Reiseziel und warum?
In den letzten zwei Jahren habe ich in den USA über 100 vegane Restaurants besucht und Kalifornien als mein neues Lieblingsreiseziel entdeckt. Dort ist die vegane Lebensweise kulinarisch schon seit vielen Jahren etabliert. Die Restaurantszene hat sehr viel abwechslungsreiche Kost und viel Kreatives zu bieten. Allerdings habe ich auch viele Jahre in Asien verbracht und fühle mich auch dort hin sehr stark verbunden. Gerade in Fern-Ost ist die Frische und Liebe zum Produkt ein großer Teil der Essenskultur. Vegane Köstlichkeiten findet man dort an vielen Ecken, an denen man es oft gar nicht erwartet. Sehr spannend. So bin ich immer etwas hin und hergerissen, wo es mir nun besser gefällt.

Mit wem würdest du gerne mal den Kochlöffel schwingen?
Woody Harrelson. Einer meiner Lieblingsschauspieler und nebenbei auch ein Mensch, der sich sehr stark für die vegane Lebensweise stark macht und in nachhaltige Unternehmen investiert.

Was war bei den Videodrehs mit Veganz der lustigste Moment?
Unser Käsekuchen wollte in der Zeit, die wir eingeplant hatten, einfach nicht fest werden. Ich musste ein Handtuch einbacken, damit die obere Schicht des Kuchens schneller fertig wurde. So waren wir ruck zuck fertig und die Filmcrew musste keine Überstunden machen. Einfach mal beim Video in der Backofen-Szene ganz genau hinschauen: Zum Video

Dein Lebensmotto
Don’t expect people!

Deine Botschaft an alle Nicht-Veganer
Man kann nicht wissen wie etwas schmeckt, bevor man es nicht probiert hat. Also einfach mal etwas veganes kochen oder schön vegan essen gehen und selbst entscheiden, wie gut es auch anders gekocht schmecken kann. Empfohlener Einstieg sind immer die süßen Leckereien. Da fällt das fehlende Ei, die Butter und Sahne gar nicht wirklich auf und es ist mindestens genauso lecker wie gewohnt.

Kommentare

  1. Antworten

    Helga Maria Szameit
    27. November 2016

    Das Interview mit Konstantin Elser ist interessant, informativ und manchmal humorvoll! Hab ich gleich an meine Schwester weitergeleitet. In Süd Dakota, USA gibt es nicht viel Anerkennen für Veganer, dies ist ranch country und alles Tierische – Schweine, Geflügel, Milchwirtschaft, Eier Produktion. Die Leute nennen sich nicht Bauern, sondern producers. Schauderhaft! Jetzt da wir die Veganz website entdeckt haben, sollte es für uns leichter werden. Vielen Dank!

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