Vegan in Topform – Interview mit Brendan Brazier

Blog, Lifestyle & Food | 20. Februar 2015

Brendan Brazier, bekannt durch sein Buch Vegan in Topform hat als Ironman sportliche Extremleistungen vollbracht – und das mit veganer Ernährung. Im Interview mit uns erklärt der Ausdauersportler seine Motivation, woher er die Energie für den Sport bezieht und wie die Zusammenarbeit mit Hugh Jackman lief.

  1. Brendan, Du bist vor 20 Jahren vegan geworden. Warum hast Du damals Deine Ernährung umgestellt? Was war Deine Motivation?
    Ich wollte mich einfach gesünder ernähren und ein besserer Athlet sein. Ich dachte, wenn ich mich schneller erholen kann, dann kann ich schneller wieder mit dem Training beginnen. Ich wusste, dass dabei die Ernährung eine große Rolle spielt und habe deswegen viele verschiedene Ernährungsweisen ausprobiert. Unter anderem eine rein pflanzliche. Anfangs fiel es mir schwer, aber nach einer Weile merkte ich den positiven Effekt.
  2. Du warst professioneller Ironman-Triathlet und ernährst Dich schon so lange vegan. Warum sollte pflanzenbasierte Ernährung der sportlichen Leistung dienen?
    Ich wollte einfach nur meine Leistung steigern, deshalb hab ich mit 15 Jahren begonnen, mich pflanzlich zu ernähren. Die vegane Ernährung hat für mich das beste Resultat gebracht.
  3. Was macht Deine Thrive-Diät so besonders? Was ist die zentrale Idee dahinter?
    Bei der Thrive Diät geht es um eine hohe Effizienz. Es werden Lebensmittel ausgewählt, die wenig Energie bei der Verstoffwechselung im Körper benötigen und gleichzeitig dem Körper möglichst viel Energie und Nährstoffe zurückgeben. Stimulanzien wie Zucker und Koffein fehlen in der Thrive Diet. Diese pushen zwar kurzfristig, aber der Körper muss später dafür zahlen, weil er dann in ein Loch fällt. Stattdessen setze ich auf Lebensmittel, die den Kortisolspiegel reduzieren, so dass man besser und tiefer schlafen kann, weniger müde ist und dann eben nicht zu solchen Stimulanzien greifen muss.
    Außerdem geht es darum, die häufigsten bekannten Allergene zu vermeiden oder zu reduzieren, die zu Entzündungen, Ausschlägen oder Verdauungsproblemen führen können. Also zum Beispiel Weizen, Gluten, Mais, Soja oder Milchprodukte.
  4. Deine Diät ist vor allem unter Läufern und Triathleten sehr beliebt. Viele Menschen arbeiten aber die meiste Zeit sitzend im Büro und bewegen sich auch im Alltag wenig bis kaum. Ist die Thrive Diet auch für Leute mit einem eher inaktiven Lebensstil geeignet?
    Die Thrive Diet ist für jeden geeignet, denn sie basiert auf dem Konzept Gesundheit – und das geht jeden etwas an, egal ob Sportler oder Nicht-Sportler. Die Vorteile liegen auf der Hand: weniger Entzündungen im Körper, ein besserer Schlaf, weniger Heißhunger auf zucker- und stärkehaltige Lebensmittel, weniger Probleme mit Übergewicht, ein stabilerer Hormonspiegel – das tut jedem gut.
    Gerade Athleten geht es oft nicht um ihre Gesundheit, sondern ausschließlich um Leistung. Für eine gewisse Zeit geht das gut, doch irgendwann kommen Verletzungen und sie müssen vielleicht sogar ihre Karriere beenden. Ich halte es für sinnvoll, langfristig zu denken.
    Wer keinen oder nur wenig Sport macht kann natürlich die Rezepte der Thrive Diet verwenden, nur sollte er insgesamt weniger essen. Ich empfehle immer langsam anzufangen, vielleicht erst einmal 1-2 Gerichte pro Tag zu tauschen, nicht zu viel auf einmal. Und man sollte sich auf das “Hinzufügen” guter Lebensmittel konzentrieren, statt immer nur darauf zu schauen, was man alles “wegnimmt” aus seiner Ernährung. Das funktioniert viel besser!
  5. Was würdest du Menschen raten, die bisher noch keine Erfahrung mit pflanzlicher Ernährung haben und nun damit starten wollen?
    Ich empfehle, viele Smoothies zu trinken. Die sind energie- und proteinreich und haben viele wichtige Inhaltsstoffe wie Eisen, Calcium, Vitamin B12, Omega-3-Fettsäuren – je nachdem, was man in den Smoothie reinpackt. Wer mag kann Smoothies prima mit Nahrungsergänzungsmitteln aufwerten, wie ich sie z.B. für VEGA entwickelt habe. Oder man verwendet die Smoothie-Rezepte aus meinem Buch – Smoothies sind immer gut für den Start!
  6. Welches Deiner Rezepte kochst du am liebsten? Und welches Rezept würdest Du nach einem langen, anstrengenden Tag empfehlen?
    Zum Beispiel empfehle ich den Regenerations-Pudding nach einem langen Work-out. Ansonsten halte ich es einfach. Ich esse Quinoa, Avocado, ein bisschen Salz, ein bisschen Sprossen, gesprossenes Brot, Salate. Smoothies natürlich, das ist ganz leicht. Das heißt, ich verbringe wenig Zeit in der Küche. Ich reise eh so viel.
  7. Wir als veganer Supermarkt hoffen natürlich, dass sich immer mehr Menschen für eine pflanzenbasierte Ernährung entscheiden. Was meinst du, ist Veganismus nur ein Trend oder kann sich diese Form der Ernährung wirklich etablieren?
    Ja, den Trend gibt es wirklich. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich. Es gibt einerseits die Leute, die ganz explizit die vegane Ernährung ausprobieren wollen, weil sie gehört haben, dass eine vegane Ernährung gesund sei oder sie wollen es aus ethischen und ökologischen Gründen machen.
    Anderen geht es vor allem darum, sich besser zu fühlen und leistungsfähiger zu sein – egal mit welcher Ernährung, und sie entdecken dann, dass ihnen die pflanzliche Ernährung genau das gibt. Wieder andere wollen nicht komplett vegan leben, aber ihren Fleischkonsum reduzieren. Und auch das ist schon mal ein guter Start!
    Die vegane Bewegung ist wirklich groß, und viele Leute wollen mehr vollwertige Lebensmittel essen. Ich denke diese Ernährungsform kann sich etablieren.
  8. Wir müssen es einfach fragen: Wie war die Zusammenarbeit mit Hugh Jackman für den Actionfilm Wolverine? Hugh war ja so begeistert von Deiner veganen Thrive-Diät, dass er sogar das Vorwort zu Deinem Buch Vegan in Topform schrieb. Wie war die Zusammenarbeit mit einem Hollywoodstar und konntest du bereits einige Stars mit Deiner Diät zum Veganismus „bekehren“?
    Ich bin sein Ernährungscoach. Ein Freund von mir ist sein Personal-Trainer. Ich gebe also nur die Ratschläge für seine Ernährung. 2009 musste sich Hugh für die Rolle des Wolverine 20 Pfund Muskelmasse antrainieren. Früher hat er für seine Rollen Muskelmasse zugelegt, in dem er viel tierisches Eiweiß und Kohlenhydrate zu sich genommen hat. Dabei fühlte er sich nicht gut, hatte keine Energie, aber dafür Entzündungsprobleme und war schwerfällig. Mein Buch lag schon länger auf seinem Schreibtisch, bevor er es zu lesen begann.
    Ich war Ernährungscoach unter anderem für Simon Whitfield, kanadischer Triathlet und Olympiasieger, dann für Aaron Simpson sowie Basketball-Spieler Brian Roberts (MLB All Star). Dann ist da noch David Zabriskie  Profi-Radrennfahrer und Tour de France-Etappen-Gewinner.
  9. Was sind Deine nächsten Projekte und wann bist du mal wieder in Deutschland?
    Mein nächstes Buch „Vegan in Topform – das Fitnessbuch“ erscheint Anfang März in Deutschland.

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