Die Success Story von Tofurky

Blog, Lifestyle & Food | 10. November 2015

Die Tage im Zelt sind vorbei:
Veganer Festtagsbraten made in USA

Im Gespräch mit Seth Tibbot, Gründer von Tofurky

Veganz: Seth, ich habe gelesen dass Du in den Siebzigern in Tennessee in einem Zelt gewohnt hast und per Hand Tempeh hergestellt hast. Wie kam es, dass Du das Zelt verlassen und Tofurky
gegründet hast?Seth at Hope Coop 1980 Large File

Seth: Im Sommer 1977 arbeitete ich als Erlebnispädagoge im Wald von West Tennessee. Es war total heiß, also perfekt, um Tempeh herzustellen! Ich lebte zu der Zeit vegan/vegetarisch und habe ziemlich oft Sojabohnen aus dem Schnellkochtopf in Tortillas und als Burger gegessen. Ich habe Tempeh für mich entdeckt, und als ich nach Oregon zurückkehrte, begann ich, Tempeh für Freunde, Familie und Besucher des Tagungszentrums bei mir in der Nähe zu machen. Ich sah die vollen Regale im Supermarkt und war begeistert von der Müsliabteilung. Nur sechs Jahre zuvor musste man noch sein eigenes Müsli machen, da es im Supermarkt keines gab. Ich dachte, Tempeh und Soja Produkte würden dem Trend von Müsli sicher folgen, also investierte ich $2,500, kaufte damit Töpfe und Pfannen und begann, nachts in der Küche des örtlichen Bioladens Tempeh herzustellen.

Nolichucky

Veganz: Wo produzierst Du denn heute?

Seth: Heute werden unser Tempeh und die Tofurky Produkte in zwei Gebäuden hergestellt, die zusammen über 6000 m² groß sind. Kommenden Winter werden wir die Produktion in einer ganz neuen, 3000 m² großen Produktionshalle beginnen, die zu den höchstmöglichen ökologischen Standards errichtet wurde. Es gibt auf der Welt nur etwa zehn andere Lebensmittelfabriken, die demselben Standard entsprechen. Wir haben 400 Sonnenkollektoren, die unsere Büros, einen Teil der Ausrüstung und die kostenlose Elektroauto Station auf unserem Parkplatz mit Strom versorgt.

Veganz: Was ist das Besondere an euren Produkten? Wieso stehen die Leute so auf Tofurky?New Plant Wes

Seth: Die Leute lieben unsere klare Angaben über die Inhaltsstoffe, unsere ökologischen Grundsätze und den großartigen Geschmack und die Beschaffenheit unserer Produkte. Ihnen gefällt auch, dass wir immer noch ein Familienbetrieb sind und zu keinem großen Unternehmen gehören. Aber der Geschmack ist wahrscheinlich der wichtigste Grund. Wir glauben, wenn ein Produkt nicht schmeckt, werden es die Kunden nur einmal kaufen. Wenn es zu teuer ist, können die Kunden es nicht oft kaufen. Unser Motto ist „Taste is king and price is Queen.”

Veganz: Hast Du ein Lieblingsprodukt?

Seth: Mir schmecken alle Tofurky Produkte, aber momentan mag ich unser neues Slow Roasted Chick’n leicht gewürzt am Liebsten. Mein Stiefsohn und aktueller CEO Jaime hat bei der Entwicklung der Textur mitgeholfen, und unser Chef Rezeptentwickler Greg Rekas hat den Geschmack perfektioniert. Es schmeckt wirklich großartig. Meine Frau kocht es mit Barbecue Soße auf unserem Grill im Garten und wir essen dazu Gemüse und Nudeln.

Veganz: Letztes Jahr hat Tofurky 20-jähriges Firmenjubiläum gefeiert. Vor zwei Jahrzehnten hättest Du, salopp gesagt, zumindest in Deutschland nicht besonders viele Leute mit einer veganen Wurst beeindrucken können. Glücklicherweise hat sich der Markt mittlerweile enorm geändert und vegane Ernährung ist heutzutage richtig beliebt. Wie nehmt ihr bei Tofurky diesen positiven Wandel innerhalb der Gesellschaft wahr? Was sind Deiner Meinung nach die Hauptgründe für diese Entwicklung?

Seth: In den 35 Jahren, die ich bei Tofurky arbeite, habe ich große Veränderungen mitbekommen. 1980 waren die Läden froh, irgendwelche Waren zu bekommen, nur um die Regale zu füllen. Manche Produkte waren gut und andere weniger gut. Wir bei Tofurky glauben, dass grundlegende Wahrheiten über die Misshandlung von Tieren und die schädlichen Auswirkungen von Fleischkonsum auf den Menschen und auf das Ökosystem des Planeten erst jetzt zur Oberfläche gelangen. Nicht nur Veganer, die sich sowieso sehr bewusst ernähren, sondern auch Fleischesser, die ihren Fleischkonsum reduzieren möchten, beschäftigen sich damit. Wir glauben, dass in 100 Jahren Proteine größtenteils aus Pflanzen stammen werden, und dass die künftigen Generationen kaum mehr glauben werden, dass Tiere früher so schlecht behandelt wurden.

Veganz: Lass uns über unsere Partnerschaft reden! Wann hast Du Jan zum ersten Mal getroffen und was war Dein erster Eindruck?

Seth: Ich habe Jan das erste Mal über meinen Sohn getroffen. 2011 haben wir den europäischen Markt nach Fleischersatz untersucht, doch die Marktforschung war sehr teuer. Also habe ich meinen Sohn mit einem Freund nach Berlin, Amsterdam und London geschickt, damit sie in Läden gehen und die Produkte und Preise in den Regalen aufschreiben. Sie sind in den ersten Veganz Laden gegangen, und Jan hat ihnen alles gezeigt. Die beiden konnten ihren Augen kaum trauen, als sie all die Produkte gesehen haben! Es hat einen ganzen Tag gedauert, alle Infos von Veganz zu sammeln. Kurz nach dem ersten Treffen mit Jan haben wir dann mit der direkten Zusammenarbeit angefangen und die ersten Tofurky Produkte ohne Umwege zu Veganz geliefert.

Veganz: War die Zusammenarbeit mit Veganz bis jetzt eine gute Entscheidung? Ist die Partnerschaft eine Erfolgsstory?

Seth: Wir sind sehr zufrieden und beeindruckt von Jans Vision und dass die Firma jetzt schon so viele Geschäfte hat. Es ist eine großartige Kooperation und momentan drucken wir sogar unsere ersten deutschsprachigen Etiketten. Ich war zweimal in Berlin und kann es kaum fassen, wie Veganz, zusammen mit anderen, Berlin als das weltweite Zentrum der veganen Bewegung etabliert hat. Uns gefällt die mutige Vision von Veganz und wir arbeiten gerne mit Euch zusammen.

Veganz: Ok, letzte Frage: Wie sieht die Zukunft von Tofurky aus?

Seth: Unter der Führung von Jaime Athos sieht die Zukunft von Tofurky sehr gut aus. Wir versuchen weiterhin, unsere bestehenden Produkte zu verbessern und neue, innovative Produkte zu kreieren. Wir lieben es, neue Produkte zu entwickeln, die es auf dem veganen Markt noch nicht gibt. Der berühmte Tofurky Braten hatte damals genau das getan, nämlich Veganern etwas total Leckeres und Außergewöhnliches für Festtagsessen geliefert. Wo etwas anderes für Veganer und Menschen, die auf Fleisch verzichten wollen, fehlt, da wollen wir sein!

Veganz: Danke für das Interview, Seth!

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Sei der Erste, der einen Kommentar schreibt.